Bremer-Leeuwardener Kooperation zum Internationalen Tag der Muttersprache

Es gibt ungefähr 7000 aktiv gesprochene Sprachen auf der Welt. Etwa die Hälfte davon gilt als bedroht, viele könnten bis Ende des Jahrhunderts sogar ausgestorben sein. Zwar ist der Rückgang von Sprachen ein normaler Vorgang: Sie entstehen, verändern sich und verschwinden auch wieder. Aber das Tempo, mit dem sich dieser Prozess derzeit vollzieht, ist beispiellos. Der Internationale Tag der Muttersprache am 21. Februar erinnert uns nicht nur daran, wie schützenswert sprachliche und kulturelle Vielfalt ist. Er macht auch auf akute Probleme aufmerksam, mit denen besonders Regional- und Minderheitensprachen konfrontiert sind. Beispiele dafür sind etwa das Westfriesische aus der niederländischen Provinz Friesland oder das Niederdeutsche, das bis heute tief in der regionalen Identität Norddeutschlands verwurzelt ist.

Als Zeichen für sprachliche und kulturelle Vielfalt haben daher die Cities of Literature Bremen und Leeuwarden kooperiert und das ursprünglich niederdeutsche Gedicht von Christine Glenewinkel unter anderem ins Friesische und das ursprünglich westfriesische Gedicht von Jan Kleefstra ins Niederdeutsche übersetzt, bei letzterem mit Unterstützung des Länderzentrums für Niederdeutsch.

Beide Gedichte können mitsamt ihrer Übersetzungen auf der Seite des Bremer Literaturhauses gelesen werden.

Das friesische Gedicht: https://www.literaturmagazin-bremen.de/beitraege/61-black-story-month/internationaler-tag-der-muttersprache-gruesse-aus-leeuwarden

Das niederdeutsche Gedicht: https://www.literaturmagazin-bremen.de/beitraege/61-black-story-month/tag-der-minderheitensprachen-op-platt

Das gemeinsame Projekt zeigt, wie ausdrucksstark und vielfältig auch kleinere Sprachen sein können. Damit ist der Internationale Tag der Muttersprache auch ein Appell: Sprachliche Vielfalt ist nicht selbstverständlich, sondern muss aktiv bewahrt werden. Jede Sprache eröffnet nämlich eine ganz eigene Sicht auf die Welt.

Foto: PublicDomainPictures @ Pixabay