Op’n Weg na’n roden Planeten: Didaktische Handreichung

Hartlich willkamen op den Floog na den roden Planeten!

In diesem Videospiel geht es um Sveni und Beebo, die gemeinsam unterwegs zum Mars sind und mit denen zusammen die Spieler*innen plattdeutsche Wörter und Sprichwörter lernen können. Die Ziele des Spiels liegen in erster Linie in den Bereichen Sprachbegegnung und Sprachvermittlung – und das in einem für das Plattdeutsche ungewöhnlichen Kontext: der Weltraumfahrt. „Op’n Weg na’n roden Planeten“ lässt sich auf vielfältige Weise in den Unterricht integrieren.

Darum geht es in der folgenden Handreichung. Sie macht Vorschläge für einzelne Aufgaben, die an das Spiel anknüpfen können, aber auch für eine ganze Stundengestaltung. Der Einsatz des Mediums Videospiel setzt das Plattdeutsche in ungewohnte Zusammenhänge und kann damit auch ein Interesse an der Sprache selbst wecken, das über verbreitete Vorstellungen vom Plattdeutschen hinausgeht.

Mit der Behandlung von Niederdeutsch im Unterricht lernen Schüler*innen nicht nur die Sprache selbst kennen, es erschließt sich ihnen auch – sofern sie in Norddeutschland wohnen – ein Zugang zu ihrer lebensweltlichen Umgebung, in der viele Straßen- und Familiennamen niederdeutschen Ursprung haben, und auch viele Sprecher*innen des Niederdeutschen leben. Auch an das niederdeutsche Kulturleben mit zahlreichen Theatergruppen, aber auch kulturellen Angeboten im literarischen und musikalischen Bereich können Schüler*innen so herangeführt werden. Und schließlich wird ihnen so auch ein Zugang zu sprachlicher Vielfalt im Allgemeinen ermöglicht.

Das Browserspiel ist über folgenden Link abrufbar: https://derodeplanet.de/.

Nu wünscht wi veel Pläseer mit dat Speel un mit use Handreken. Hoolt jo fuchtig!

Zum Einstieg noch ein paar Worte über diese Sprache selbst – das Plattdeutsche oder Niederdeutsche. „Niederdeutsch“ ist die sprachwissenschaftliche Bezeichnung für eine Sprache, die heute in Form zahlreicher Dialekte in Norddeutschland (in Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern sowie in den nördlichen Teilen Nordrhein-Westfalens, Brandenburgs, Sachsen-Anhalts und im äußersten Nordwesten Hessens), in Teilen der Niederlande (Groningen, Drenthe, Overijssel, Gelderland) und durch Auswanderung auch in Nord- und Südamerika sowie in Russland gesprochen wird. Von den Sprecher*innen in Deutschland wird diese Sprache zumeist als „Plattdeutsch“ bezeichnet, in den Niederlanden als „Nedersaksisch“.

Das sprachliche Hauptkennzeichen des Niederdeutschen ist, dass es die hochdeutsche Lautverschiebung, also die konsonantischen Veränderungen, die das Hochdeutsche von den anderen germanischen Sprachen wie Schwedisch oder Englisch unterscheiden, nicht vollzogen hat. Eine Tabelle kann diese Veränderungen deutlich machen:

Konsonantische VeränderungWort auf EnglischWort auf NiederdeutschWort auf Hochdeutsch
f -> pf/fapple/shipAppel/SchippApfel/Schiff
t -> z/sheart/thatHart/datHerz/das
k -> chmakemakenmachen

Außerdem ist das Niederdeutsche am einheitlichen Plural der Verbflexion zu erkennen. Anders als im Hochdeutschen, wo es „wir machen/ihr macht/sie machen“ heißt, werden diese Formen im Niederdeutschen einheitlich mit -t oder -en gebildet: „wi maakt/ji maakt/se maakt“ oder „wi maken/ji maken/se maken“.

Das Browserspiel kann flexibel in unterschiedlichen Unterrichtssituationen eingesetzt werden – zum Beispiel in Vertretungsstunden für Schülerinnen und Schüler ohne Vorkenntnisse, Einstiegsstunden in das Thema Plattdeutsch oder auch in Vertiefungsstunden für SuS mit bereits vorhandenen Plattkenntnissen. Die folgenden Ideen zur Integration des Spiels in den Schulunterricht verstehen sich als Anregungen und können je nach Lerngruppe angepasst werden.

1) Das Spiel als Einstieg in die Sprache

Das Spiel eignet sich als motivierender Erstkontakt mit der plattdeutschen Sprache. SuS begegnen grundlegenden plattdeutschen Begriffen und Redewendungen in einem spielerischen Kontext und entwickeln dadurch einen niedrigschwelligen Zugang zur Sprache.

Ziel:

• Erste Annäherung an die Sprache (Lese- und Hörverstehen)
• Grundlegende plattdeutsche Floskeln lernen

Mögliche Impulse:

• Das Spiel wird einzeln oder in Gruppenarbeit gespielt.
• Dabei wird ein Handout bearbeitet: Die SuS notieren plattdeutsche Begriffe aus dem Spiel, die 1) schon bekannt waren, und 2) die neu und besonders schön/auffällig/lustig etc. sind.
• Im Plenum wird eine Wortwolke mit plattdeutschen „Lieblingswörtern“ erstellt.

2) Spielerische Erweiterung des Wortschatzes

Das Spiel kann auch dafür genutzt werden, als Teil einer größeren Lehreinheit zum Thema Plattdeutsch das Vokabelwissen der SuS zu erweitern. Während oder nach dem Spielen können neue Wörter und Floskeln gesammelt und gemeinsam ausgewertet werden.

Ziel:

• Grundlegenden plattdeutschen Wortschatz erarbeiten
• Grundlegende Floskeln für alltägliche Kommunikation lernen

Mögliche Aufgaben:

• Das Spiel wird einzeln oder in Gruppenarbeit gespielt.
• Die SuS notieren unbekannte Begriffe und Ausdrücke beim Spielen auf einem Handout (dabei gibt es eine niedrigschwelligere und eine offenere Version). Die Ergebnisse werden im Plenum besprochen.
• Auf Grundlage des Handouts sowie einer Vokabelliste können kleinere Lernaufgaben wie Quizfragen, Buchstabensalat oder Lückentexte bearbeitet werden (siehe Reiter „Aufgaben“).

3) Das Spiel zur Stärkung der plattdeutschen Lesekompetenz

Mithilfe des Spiels kann auch die plattdeutsche Lesekompetenz geschult werden, indem inhaltlich auf dem Spiel aufbauende Dialoge von den SuS vorgetragen werden.

Ziel:

• Plattdeutsche Lese- und Sprechkompetenz schulen

Mögliche Impulse:

• Das Spiel wird einzeln oder in Gruppenarbeit gespielt.
• In Zweiergruppen tragen die SuS jeweils kleine Dialoge vor, die inhaltlich auf dem Spiel aufbauen. Als Grundlage dafür dienen ausdruckbare Skripte. Alternativ kann auch eine Kurzgeschichte als Vorleseübung genutzt werden.

4) Das Spiel als Grundlage für eigene Textproduktion

Das Spiel kann Ausgangspunkt für eigene kreative Arbeiten wie Dialoge mit Figuren des Spiels oder auch eigenen Erfindungen sein.

Ziel:

• Aktive Anwendung plattdeutscher Vokabeln und Redewendungen
• Kreative Auseinandersetzung mit den Inhalten des Spiels

Mögliche Impulse:

• Das Spiel wird einzeln oder in Gruppenarbeit gespielt.
• Die SuS erarbeiten kurze Dialoge. Möglicher Ausgangspunkt: Sveni und Beebo landen wieder auf der Erde. Dort will Sveni gleich einem*einer Freund*in erzählen, was er*sie alles erlebt und unterwegs auf Platt gelernt hat. Als Hilfestellung dienen Listen mit plattdeutschen Vokabeln und Redewendungen aus dem Spiel und darüber hinaus.
• Die SuS tragen ihre Dialoge im Plenum vor.

Eine Vokabelliste für SuS mit den Wörtern in den Grundformen.

Eine Vokabelliste mit zusätzlichen Angaben: Pluralformen bei Substantiven, flektierte Formen bei Verben (1. Person Singular Präteritum, Partizip Präteritum).

Eine Liste mit plattdeutschen Sprichwörtern und Redewendungen – aus dem Spiel, aber auch darüber hinausgehend.

Eine Kurzgeschichte über die Rückkehr von Sveni und Beebo zur Erde.

Drei kleine Dialoge über Svenis Erlebnisse in Nordfriesland.

Arbeitsblatt mit Aufgaben zur Übersetzung und zur Notation plattdeutscher Wörter, die die SuS schon kannten oder besonders schön fanden.

Arbeitsblatt mit Aufgabe zur Übersetzung plattdeutscher Vokabeln und Redewendungen.

Arbeitsblatt mit Aufgabe zur Notation unbekannter plattdeutscher Wörter, die anschließend in der Lerngruppe gemeinsam übersetzt werden sollen.

Folgende Arbeitsblätter sind auch als digitale Aufgaben unter dem Reiter „Aufgaben“ zu finden:

Gefördert wurde das Projekt vom Bundesministerium des Innern.